DER WINTER IST VORBEI
Wir sind in diesen Winter
gegangen mit einem Krabbenpreis, der im Butterfass ganz auf dem Boden
angekommen war.
Viele Fischer haben darauf
gehofft, dass sich der Preis über den Winter erholen wird. Das ist nicht
eingetreten, was auch vorhersehbar war, da die Türen der Lagerhallen nur noch
mit Anlauf geschlossen werden konnten.
Der Preis ist bis jetzt
zwar wieder etwas gestiegen aber für wirtschaftliches Arbeiten noch zu niedrig.
Wieringen hat sich der
Transnationalen Produzenten Organisation (TPO) nicht angeschlossen. Vielleicht
auch mit der Hoffnung, im Winter liegen die meisten Kutter im Hafen, der Preis
steigt, die Fänge sind gut, das Wetter
auch, da werden wir unser Geld schon verdienen.
HAT NICHT GEKLAPPT. ---- WAT NU?
In anderen Jahren wenn der Preis im Keller war, hatten wir in der Regel zwei Jahre daran zu knabbern, das sich dieser wieder erholt hatte. Wenn uns die Natur nicht hilft, werden wir auch jetzt wieder einen langen Atem haben müssen.
MSC
In 2008 wurde für uns das
Projekt MSC so richtig in angriff genommen.
Phillip Oberdörfer sagt
“Wir müssen uns im klaren darüber sein, wir gehen mit dem Teufel ins Bett wenn
wir das machen.“
Ich muss sagen er hat
vollkommen Recht.
Die Nordseekrabbe ist keine
Quotierte Zielart, nicht Überfischt und im Bestand nicht gefährdet. Sie
unterliegt starken Schwankungen in der Bestandsmenge, was Jahreszeitlich
bedingt ist aber in der Gesamtpopulation auch Jährlich große unterschiede
aufweist.
Wir müssen unsere Fischerei
von Leuten (WWF und anderen Umweltorganisationen) begutachten lassen, denen wir
sowieso ein Dorn im Auge sind und sind beim MSC darauf angewiesen, dass sie uns
ihr JA und Amen geben.
Ist denn ein Ökolabel die
einzige Möglichkeit um zu zeigen, dass wir nachhaltige Fischerei betreiben? Uns
wird gesagt, dass der Endverbraucher dieses Label haben will, damit er weiß ob
sein Produkt aus Nachhaltiger Fischerei kommt und somit die Bestände in den
Weltmeeren wieder aufgebaut werden. Was ist wenn alle Fischereien mit dem „JA“
der Umweltverbände ein MSC oder anderweitiges Label haben, dieselben
Umweltverbände aber immer noch von Überfischung und leeren Meeren reden?
Haben wir dann etwas (außer
Erfahrung) gewonnen?
Was macht ein Produkt zu etwas besonderem wenn jeder dieses etwas hat?
Ich glaube nicht, dass wir um ein Label herumkommen. Wenn das erste Land das Label hat müssen die anderen nachziehen, ob sie wollen oder nicht, der Handel wird sich das schon merken lassen. Mich bedrückt dabei nur, dass dieser „Persilschein“ von Leuten begutachtet werden muss, die uns nicht haben wollen.
SEETAGE
Was war das Fischerleben
einfach. Jeder konnte zu jeder Zeit sein Fanggeschirr wechseln, um das zu
fischen was für ihn am wirtschaftlichsten war. Und nu? Über den Weg mit 130 und
118 Fangtage sind wir in den meisten Fällen bei 1 bis 0 Fangtage angelangt. Wir
sollen den Kabeljau schonen und bei der Wiederauffüllung mithelfen. Der
Kabeljau ist „da“. Er ist nur nicht „hier“ (Deutsche Bucht). Der Fisch und
nicht nur der Kabeljau ist in andere Regionen gewandert und ist dort in Mengen
vorhanden die jeder Wissenschaft widersprechen. In der gesamten Deutschen Bucht gibt es seit Jahren keine
gezielte Fischerei auf Kabeljau. Er ist
hier nicht abgefischt worden.
Die Fischerei muss einmal
mehr für etwas Bluten, deren Ursache sie nicht ist.
Denn der Fischer ist vom
Grundsatz her in erster Linie als Verbrecher zu betrachten.(Sonst sind die
Auflagen die man uns macht und die wir noch haben sollen nicht zu erklären)
Wir werden in den Fangtagen auf null gebracht und die Quote für Kabeljau wird erhöht. (grübel grübel denk denk)
Es gibt zum glück eine 1,5 % Regelung. Ich befürchte nur, dass über kurz oder lang auch darauf etwas gefunden wird was uns einschränkt.
STABILITÄT
Ich sage nur „Wir sind alle
potenzielle Selbstmörder“
Kutter, die 20, 30 und mehr
Jahre Fahrenszeit auf dem Buckel haben, auch bei schlechter
Wetterlage, sind von einem Moment auf den Anderen der größte Schrott und nicht
mehr Seetüchtig sagt man uns.
Als Standardantwort gibt’s
meistens „Verlängern“.
Nicht nur das der Fischer
diese Verlängerung ohne öffentliche Mittel machen muss, er muss sich die BRZ
die er dafür braucht auch noch ankaufen. Bei der BLE liegen die Kapazitäten auf
Halde und warten dort auf Jungfischer. Auch wir „Alten Fischer“ müssen diese
BRZ haben um unsere „Alten Kutter“ in
fahrt zu halten.
ZU GUTER LETZT
Trotz alledem gibt es immer
noch junge Menschen die den Beruf des Fischers erstrebenswert finden und auch
den Weg in die Selbständigkeit nicht scheuen.Wir haben in unserer Erzeugergemeinschaft
(Emsmündung) zur Zeit 10 Auszubildende. Zwei Azubis haben diesen Winter den
ersten Teil ihrer Gesellenprüfung abgelegt.
Florian Zilka (GRE 19 „FLAMINGO“)
und Siegfried Looden (GRE 10 „NORDLICHT“).
Auch haben wir in Greetsiel
und Ditzum jeweils einen neuen Fischwirtschaftsmeister.
Nanno Bruhns (DIT 1
„HENRIETTE“) und Klaus Heinks (GRE 14
„WANGERLAND“).
Allen vier sowie auch allen
anderen Prüflingen Herzlichen Glückwunsch und für die Zukunft viel Erfolg.
Greetsiel 19.04.2009
Gerold Conradi